Sklerose, multiple - Medizinlexikon

Synonyme: MS

Polysklerose, Sclerosis multiplex, Encephalomyelitis disseminata chronica, mit einer Morbiditätsrate von 5 Kranken auf 1 000 Einwohner in Europa eines der häufigsten organ. Nervenleiden. Ätiol. ungeklärt, Autoimmunkrankheit bzw. Slow-Virus-Infektion werden diskutiert. Pathogenese ist durch zahlreiche Entmarkungsherde (Plaques) im Gehirn u. Rückenmark gekennzeichnet. Krankheitsbeginn überwiegend zwischen 20. u. 40. Lj. Symptomatik vielgestaltig, jedoch best. Symptome vorherrschend, z. B. Hirnnervenausfälle: Sehstörungen infolge retrobulbärer Neuritis o. Neuritis nervi optici sind als Prodromalerscheinungen u. als passagere Störungen häufig, temporale Abblassung der Pupillen, Optikusatrophie, Abduzenslähmungen. Spast. Syndrom: Mono-, Para-, Tetraparesen, selten Hemiparesen. Zerebellare Sympt.: sog. Charcot-Trias, Nystagmus, Intentionstremor, skandierende Sprache. Spinale Sympt.: sehr häufig Blasenstörungen in Form von Retentionen. Harn- u. Stuhlinkontinenz, partielle Querschnittssyndrome, Erektionsstörungen. Viele weitere Sympt. u. Kombinationen mögl., meist auch Sensibilitätsstörungen, Stimmungslabilität, Euphorie. Schubweiser remittierender, seltener chron. progredienter Verlauf. Im Liquor cerebrospinalis mäßige Pleozytose u. Eiweißvermehrung, Plasmazellen, Gammaglobulinvermehrung. Ther. werden Kortikosteroide u. andere Immunsuppressiva angewandt. Sehr selten: akute disseminierte Enzephalomyelitis, Neuritis nervi optici, konzentrische Sklerose. Pathol.-anat.: regellos im Markweiß von Hirn u. Rückenmark lokalisierte Herde, gehäuft periventrikulär. Histol. zeigen frische Herde perivaskuläre Entzündungsinfiltrate aus Lymphozyten u. Plasmazellen mit Markscheidenzerfall, ältere eine Gliaproliferation, die zu umschriebenen Verhärtungen (Sklerosen) führt.

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