Streß - Medizinlexikon

Reaktion des Organismus auf unterschiedl. Arten von Belastungen (Hitze, Kälte, Hunger, Durst, Angst, Schmerz, Infektionen, Strahleneinwirkungen usw.). Dabei kommt es zu einer Ausschüttung von glukokortikoiden Hormonen sowie von Adrenalin u. Noradrenalin. Ein durch die Belastung verursachter Reiz wirkt über das Zentralnervensystem auf die neurosekretor. Zellen des Hypothalamus ein u. setzt dort verstärkt Corticoliberin frei. Dieses stimuliert die Adenohypophyse u. steigert die ACTH-Sekretion, wodurch die Glandula suprarenalis zu gesteigerter Ausschüttung von Glukokortikoiden veranlaßt wird. Letztere schützen den Organismus vor den Belastungen des Streßgeschehens. Allg. ist unter S. eine Antwortreaktion des Organismus auf best. Reizkonstellationen (Beanspruchungen, Anstrengungen) zu verstehen, die immer mit einer Steigerung des emotionellen Erregungsniveaus verbunden ist. S. kann eine leistungsstimulierende Funktion haben u. dadurch als mobilisierender Faktor wirken (Energiebereitstellung bei hoher Leistung, verbunden mit Katecholaminausschüttung u. kardiovaskulärer Reaktion). Unter Stressoren (auch als Umweltstreß o. Streßeinflüsse bezeichnet) werden kurz o. länger dauernde Umwelteinflüsse verstanden, die für das Individuum Informationsbedeutung haben u. zu einer mehr o. weniger ausgeprägten emotionellen Spannung führen. Dadurch werden in den vom Zentralnervensystem gesteuerten u. kontrollierten Funktionssystemen Veränderungen ausgelöst, die zur Stabilität des Organismus u. zu einer Anpassung an die veränderten Umwelteinflüsse beitragen. Die Wirkungen von Stressoren durch psychonervale Informationsverarbeitung über das vegetative Nervensystem auf versch. Körperfunktionen gewinnen dann einen krankheitsbegünstigenden Wert, wenn sie in ihrem Spektrum eine best. „normale“ Variationsbreite (Reaktionskapazität) überschreiten, d. h., wenn die Reaktionen zu häufig u. in zu kurzen Zeiträumen notwendig werden, wenn sie sich über länger dauernde Zeit verfestigen u. aus der regulativen Kontrolle geraten (z. B. psychophysiolog. Reaktionen bei traumat. Ereignissen wie Panik u. Schock). Bei diesem Geschehen ist entscheidend, daß die Art u. Weise, wie diese Prozesse ablaufen, von der psychophys. Reaktionslage des Individuums, insbes. weitgehend von seinen Einstellungen zur Umwelt u. zu sich selbst, abhängt. Diese Einstellungen sind das Ergebnis komplizierter u. vielschichtig best. Entwicklungsprozesse des individuellen Verhältnisses des Menschen zu seiner Umwelt. Sie bestimmen seine Interessen u. Anschauungen, z. B. wie er die Umwelteinwirkungen bewertet, welche Bedeutung sie für ihn, für sein Wohlbefinden u. seine Gesundheit besitzen. Ein gut phys. u. psych. trainierter Mensch wird eine größere Widerstandskraft gegenüber Stressoren aufbringen als ein untrainierter. Starke akute o. chron. Affektreaktionen, vorangegangene Infektionskrankheiten, gestörte hormonelle Prozesse sind gleichfalls Faktoren, die die Empfindlichkeit gegenüber Stressoren erhöhen.

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