Tabes dorsalis - Medizinlexikon

dem quartären Stadium der Syphilis zuzuordnende Form der Neurolues. Manifestation 10–15 Jahre, gelegentl. früher, nicht selten wesentl. später, nach Infektion. Liquoreiweiß normal bis leicht erhöht, monozytäre Pleozytose bis 200/3, oft normale Zellzahl. Grundlage des Krankheitsbildes entzündl.-degenerative Veränderungen im Bereich der Hinterstränge, der hinteren Wurzeln u. der spinalen Leptomeninx. Klin. resultiert ein Hinterstrangsyndrom, das von der durch die Läsion der hinteren Wurzel hervorgerufenen Areflexie u. Hypotonie ergänzt wird. Außerdem häufig tabische Optikusatrophie. Hirnnerven, spinale Ganglien u. weitere Anteile des Nervensystems können betroffen sein. Charakterist. ist die reflektor. Pupillenstarre (Argyll-Robertson-Phänomen), fehlende Licht- u. Konvergenzreaktion, Miosis, Anisokorie. Weitere Sympt. sind schmerzhafte Mißempfindungen u. Unsicherheit beim Gehen, lanzinierende Schmerzen, gastrische Krisen, atakt. schleudernder Gang, Genu recurvatum (Überstreckung im Kniegelenk infolge Muskelhypotonie), Störungen der Blasen-Mastdarm-Funktion u. der Potenz, troph. Störungen wie Dekubitus, Knochenatrophie, Spontanfrakturen, Arthropathien. Sonderform: juvenile Tabes nach konnataler Syphilis. Serol. Befunde des Blutes u. des Liquor cerebrospinalis weniger häufig pos. als bei anderen Neuroluesformen.

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