Temperaturregulation - Medizinlexikon
Regelvorgänge des Organismus, die die Wärmebildung u. -abgabe betreffen. Menschen, Säugetiere u. Vögel besitzen die Fähigkeit, ihre Kerntemperatur mit einer definitiv begrenzten Amplitude von ± 2 °C unbeachtet der Größe der Schwingungen der Umgebungstemperatur aufrecht zu erhalten. Abweichungen vom Sollwert beeinflussen eine Reihe zentralnervöser Strukturen insbes. im Zwischenhirn (Temperaturregulationszentren), indem diese Strukturen teils selbst als Temperaturfühler funktionieren u. Änderungen der Bluttemperatur erfassen, teils von Thermorezeptoren wie Wärme- u. Kälterezeptoren der äußeren Haut Signale erhalten. Als thermosensitives Regelzentrum setzen diese Strukturen Stellglieder in Gang, die in Größe u. Richtung eine Temperaturstörung kompensieren. Als Stellglieder kommen Wärmebildung (chem. T.) u. Wärmeabgabe (physikal. T.), unterstützt am Freibeweglichen durch verhaltensbedingte Steuerung der Wärmeabgabe, in Betracht. Während bei geringer Kältebelastung vorwiegend physikal. durch Erniedrigung der Wärmedurchgangszahl geregelt wird, kommt bei stärkerer Kältebelastung die Erhöhung der Wärmebildung hinzu. Eine zunehmende Wärmebelastung führt dagegen anfängl. zu einer Reduktion der Wärmebildung, zu einer Erhöhung der Wärmedurchgangszahl, schließl. zu Schweißsekretion (Transpiration). Die physikal. T. ist die von subkortikalen Strukturen, insbes. vom Hypothalamus gesteuerte Wärmeabgabe zur Konstanterhaltung der Körpertemperatur. Die Steuerung schließt sowohl den inneren Wärmestrom von Körperkern zu Körperschale durch Regulation des konvektiven Wärmetransports mit dem Blutstrom an Haut u. Schleimhäute als auch den äußeren Wärmestrom von Körperoberfläche an Umgebung durch Variation von Radiation, Konvektion, Konduktion u. Evaporation ein. Bei Menschen kommt der Hautdurchblutung bes. Bedeutung zu, weil durch sie der Wärmedurchgang des Gewebes, bezogen auf die gesamte Körperoberfläche, um 1 : 7 variiert u. der Wärmeabstrom von der Haut an die Umgebung durch Konduktion, Konvektion, Radiation u. Evaporation beeinflußt werden kann. Infolge ihres geringen Ruhestoffwechsels u. ihrer großen Oberfläche spielen hierbei die Extremitäten u. Akren eine bes. Rolle: zwischen Kälte u. Wärme kann die Durchblutung der Hand im Verhältnis 1 : 30, die Durchblutung der Finger im Verhältnis 1 : 600 variiert werden. Unter chem. T. versteht man Steigerung der Wärmebildung zur Kompensation abgesunkener Körperkerntemperatur bzw. die bei erhöhter Körperkerntemperatur erfolgende Reduktion der Wärmebildung. Die bei Abkühlung erfolgende Erhöhung der Wärmebildung beruht z. T. auf Steigerung des Muskeltonus, der bei stärkerer Kältebelastung in Kältezittern übergeht (Shivering thermogenesis), z. T. aber auch auf Steigerung der hormonell angesteuerten Stoffwechselvorgänge bes. in Leber u. Muskel durch Adrenalin, Noradrenalin, Serotonin (labile chem. Thermogenese) u. durch Schilddrüsenhormone (stabile chem. Thermogenese). Nach Kälteakklimatisation überwiegt die stabile chem. Thermogenese. Neugeborene regulieren vorzügl. über die labile chem. Thermogenese. Verhaltensbedingte T.: Mit der Möglichkeit, die freie wärmeabgebende Oberfläche durch geeignetes Verhalten des Gesamtorganismus im Lebensraum den jeweiligen Bedürfnissen nach Wärmeabgabe anzupassen, besitzen die Homoiothermen ein weiteres, sehr ökonom. Stellglied zur Aufrechterhaltung ihrer Körperkerntemperatur, weil durch Veränderung der Körperhaltung durch Zusammenlagerung mit anderen Tieren, aber auch durch Aufsuchen günstigerer Lebensklimate (Aufsuchen von Sonne, Schatten, Wasser, Wind, durch Befeuchten mit Wasser, beim Menschen durch entsprechende Wahl von Bekleidung u. Umgebungstemperatur) eine integrale Störgrößenkompensation erreicht wird. Aber auch die chem. T. kann z. B. durch entsprechende Nahrungswahl hinsichtl. Energieinhalt u. spezifisch-dynamischer Wirkung unterstützt werden.
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