Tierpocken - Medizinlexikon

weltweit verbreitete Erkrankungen durch über 40 Arten von Pockenviren mit zahlreichen Varianten aus der Fam. Poxviridae, Unterfamilie Chordopoxvirinae. Alle warmblütigen Tiere können an T. erkranken, unter den Haustieren am häufigsten Schafe, Schweine, Rinder, Ziegen, Pferde, Kaninchen u. Geflügel sowie kleine Laboratoriumstiere. Wirtschaftl. bedeutsam sind die T. der Hühner (verursacht durch Viren der Gattung Avipoxvirus), der kleinen Laboratoriumstiere (infektiöse Ektromelie durch Orthopoxvirus) u. die T. der Schafe u. Ziegen (durch Orthopoxvirus u. Capripoxvirus). Bisher konnten weltweit ledigl. die Menschenpocken (Variola major, Pocken) ausgerottet werden. Enzoot. auftretende Tierpocken müssen durch Impfungen u. veterinärhygien. Maßnahmen getilgt werden, da sie z. T. auch für den Menschen pathogen sein können. Nach Verlauf u. klin. Sympt. sind bei Säugetieren 4 Hauptformen zu unterscheiden: Generalisation, septikäm.-tox. Form, lokale u. latente Form. Beim Geflügel werden 5 Formen beobachtet: Hauptform, Schleimhaut- o. diphtheroide Form, septikäm. Form, Schnupfen, Tumorform. Pockenerkrankungen der Tiere können durch originäre T. o. meist als zufällige Infektionen mit dem zur Pockenschutzimpfung des Menschen verwendeten Vacciniavirus (Gattung Parapoxvirus) hervorgerufen werden, das das breiteste Wirtsspektrum besitzt. Im Unterschied zu den Menschenpocken werden einige Tierpockenviren v. a. durch Insekten übertragen. In einigen Ländern sind Moskitos die Hauptvektoren. Paravacciniaviren rufen beim Menschen gutartige Hautveränderungen hervor. Eine besondere Form ist der Melkerknoten.

© Elsevier GmbH, München

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