Tollwut - Medizinlexikon

Lyssa, Rabies, Hydrophobie, Hundswut, Wut; T. des Menschen: Bedeutendste enzoot.-epizoot.-panzoot. Zooanthroponose; bei Exposition, Verdacht, Erkrankung o. Tod meldepflichtige Infektionskrankheit. Übertragung auf den Menschen durch Kontakt, Biß, Lecken mit virushaltigem Speichel von infizierten Tieren (von Wildtieren vorwiegend Rotfuchs u. Wolf, von Haustieren v. a. Hund u. Katze). Erreger: Tollwutvirus. Inkubationszeit: 2–12 Wochen, gelegentl. 12 Monate. Nach dem Biß erfolgt ein passiver Transport des Virus über die die Infektionsstelle versorgenden peripheren Nerven zu den Spinalganglien u. von diesen aus zum zugehörigen Rückenmarksegment. Der Biß eines tollwütigen Tieres ist deshalb um so gefährlicher, je näher die Bißstelle dem ZNS liegt (Kopf- u. Gesichtsverletzungen), u. desto kürzer ist die Inkubationszeit. Die Wahrscheinlichkeit der Erkrankung steigt je nach Tierart (Katze – Hund – Fuchs – Wolf) u. nach Lokalisation des Bisses u. Tiefe der Bißverletzung. Klin. eine kurze Enzephalitis mit Fieber, Erregungszuständen (Hydrophobie) u. schnell fortschreitender Lähmung. Letalität (für alle Tierarten u. den Menschen, ausgenommen blutsaugende Fledermäuse) unbehandelt 100 %. Nach WHO-Schätzungen ereignen sich jährl. weltweit 500–800 menschl. Todesfälle. Rechtzeitige Behandlung durch Tollwutschutzimpfung als aktiv-passive Simultanimpfung mit Anti-Rabies-Gammaglobulin, schützt vor dem Ausbruch der Erkrankung. Diagn. beim tollwutverdächtigen Tier durch fluoreszenzmikroskop. Nachweis von Negri-Körperchen in Ganglienzellen. T. der Tiere: in fast allen Weltteilen verbreitete, virusbedingte Infektionskrankheit vorwiegend der Säugetiere, aber auch der Vögel, die als Zoonose von Bedeutung ist. Ledigl. Australien, die Antarktis u. einige Inselländer (Großbritannien, Irland, Japan) sind tollwutfrei. Man unterscheidet die urbane T. o. Haustiertollwut, bei der in bis zu 90 % der Hund als Hauptwirt beteiligt ist, die silvat. o. Wildtiertollwut, bei der der Fuchs mehr als 70 % der Fälle stellt, u. die Fledermaustollwut, die nur in Rinderherden Süd- u. Mittelamerikas beobachtet wird, bzw. die rasende u. die stille Wut. In Deutschland entfallen etwa 85 % aller Fälle auf Wild- u. nur 15 % auf Haustiere. Die Infektion der Tiere erfolgt fast ausschließl. durch den Biß infizierter Tiere, wobei das Virus mit dem Speichel übertragen wird. Daher können z. B. Katzen, die sich beim arteigenen, ständigen Putzen die Pfoten belecken, das Virus durch Kratzwunden auf Menschen u. Tiere übertragen. Exp. sind weitere Übertragungswege mögl. Bei typ. Verlauf äußert sich die T. in Wesensveränderung, Bewußtseinsstörung, erhöhter Erregbarkeit, Hydrophobie u. nachfolgenden Lähmungen. Natürl. Infektionen führen i. a. zu akuten Erkrankungen mit tödl. Ausgang. Die Inkubationszeit hängt ab von der aufgenommenen Virusmenge, dauert jedoch selten länger als 1–7 Tage. Zum Schutz des Menschen ist am Tier eine schnelle u. sichere Diagn. erforderl., die allerdings bislang nur histol. (zytoplasmat. Einschlußkörperchen an den Ganglienzellen des Ammonshorns, Negri-Körperchen) u. durch Tierversuch mögl. ist. Es stehen heute für Proph. u. Ther. sehr wirksame Tollwutimpfstoffe zur Verfügung. Die Fuchstollwut wird außer durch Jagd durch Schluckimpfungen mit mit Lebendvakzinen imprägnierte Köder, mancherorts auch durch parenterale Impfung im Bau gefangener Jungfüchse bekämpft.

© Elsevier GmbH, München

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