Tuberkulose, kutane - Medizinlexikon

Synonyme: Tuberculosis cutis Hauttuberkulose

Hautkrankheit, die durch Tuberkulosebakterien (meist Mycobacterium tuberculosis, seltener Mycobacterium bovis) hervorgerufen wird. Hauttuberkulose entsteht selten prim. (ausgenommen die BCG-Impfung), sondern auf dem Blut- u. Lymphweg bei vorhandener Organtuberkulose; manchmal Superinfektion (z. B. Tuberculosis cutis verrucosa) mit eigenen o. fremden Tuberkulosebakterien. Einteilung: 1. Anergie: Tuberculosis ulcerosa cutis et mucosae. Unregelmäßig begrenzte Geschwüre mit livid-rotem unterminiertem Rand u. meist schmierigem Grund. Auftreten bei noch nicht vorhandener Abwehrbereitschaft des Körpers (Säuglinge) am Ort des erstmaligen Eindringens von Tuberkulosebakterien. Durch Miterkrankung der regionären Lymphknoten, Ausbildung eines tuberkulösen Primärkomplexes u. im weiteren Verlauf bei Ausbleiben ausreichender Antikörperbildung Übergang in eine tödl. allg. Miliartuberkulose. Auch bei erloschener Abwehrkraft, z. B. bei schweren inneren Tuberkulosen. Hier finden sich die gleichen, meist schmerzhaften Geschwüre vorwiegend an Körperöffnungen, wo sie durch Implantation der in den jeweils dort vorhandenen Sekreten enthaltenen Tuberkulosebakterien entstehen. Schlechte Progn. 2. Hyperergie: a) Tuberculosis cutis luposa: Lupus vulgaris. Verhältnismäßig häufige Form der Hauttuberkulose, im Gesicht, an Extremitäten braunrote, ziemlich scharf begrenzte papulöse Herde, die sich langsam peripherwärts ausbreiten u. im Zentrum Abheilung erkennen lassen; jahre- bis jahrzehntelanger Verlauf. Durch Zerstörung der Hautstruktur narbige Abheilung. Ergriffen werden auch Schleimhaut u. Knorpel (Nase, Ohren), dadurch Mutilationen. Ausgedehnte Narben führen zu schweren Entstellungen oft unter Ausbildung eines Karzinoms (Carcinoma in lupo). In den Narben immer wieder frische Knötchen. Hämatogene Entstehung. Diagn.: Diaskopie, Sondenversuch, Histol., Erregernachweis. Ther. mit Tuberkulostatika. Lupus tumidus: mit überschießender Gewebereaktion einhergehende Tuberculosis cutis luposa im Gesichtsbereich. b) Lymphadenitis tuberculosa: Lymphknotentuberkulose. Fistelnde Lymphknoten als Tuberculosis cutis colliquativa (Skrofuloderm), röhrenförmige Abszesse am Hals. Unter Hinterlassung häßl. Narben Abheilung. Ursache der „Etagentuberkulose“ (Tuberkulose der Halslymphknoten, der Subkutis u. der Haut). c) Tuberculosis cutis verrucosa: Form der Hauttuberkulose, die durch Superinfektion bei relativ guter Abwehrlage von außen entsteht, z. B. als Berufsinfektion bei Abdeckern, Tierärzten, Fleischern, o. durch Selbstinfektion bei Kranken mit offener Lungentuberkulose durch Aussaugen einer Wunde. Warzenförmige Wucherung mit bläulichrotem Rand, aus der sich auf Druck multiple Mikroabszesse siebartig entleeren. Oft Neigung zu zentraler Rückbildung bei peripherem Fortschreiten. Tuberculosis-cutis-Formen ohne Erregernachweis: Tuberkulide. Abb.

Kutane Tuberkulose. Lupus vulgaris
Kutane Tuberkulose. Lupus vulgaris

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