Viererschema - Medizinlexikon

Ausgangspunkt des V., das eng mit der Analogie zwischen Makrokosmos u. Mikrokosmos (Mensch) verbunden ist, waren die Ideen des Arztes Alkmaion von Kroton (um 500 v. Chr.) sowie der Philosophen Empedokles von Akragas (um 495–435 v. Chr.) u. Zenon von Elea (um 490–430 v. Chr.). Empedokles nahm vier Elemente (Feuer, Wasser, Luft, Erde) als Grundbestandteile des Kosmos u. der Lebewesen an. Die Zuordnung der Qualitäten warm, kalt, trocken u. feucht zu den Elementen geht auf Zenon zurück, der diese Elementar- o. Primärqualitäten an die Stelle der Elemente setzte u. damit zum Begründer der Lehre von den Primärqualitäten wurde. Etwa gleichzeitig mit der Anschauung von den vier in der Natur wirkenden Elementen wurde in der Med. die Lehre von vier im Körper wirkenden Säften formuliert (Viersäftelehre, Humoralpathologie). Erstmals begegnen uns die Körpersäfte Blut, Schleim (Phlegma), gelbe u. schwarze Galle in der hippokrat. Schrift „De natura hominis“ („Über die Natur des Menschen“), wo ihnen sowohl die Primärqualitäten als auch die vier Jahreszeiten zugeordnet werden. Auf diese Weise entstand ein Viererschema (Abb. a), in dem die Elemente zunächst noch nicht eingeordnet sind. Dies geschah erst durch Aristoteles, der die empedokle. Elemente mit den einzelnen Körpersäften identifizierte (Abb. b). Durch Galen erhielt das V. schließl. seine ausgereifteste Form. Er ging davon aus, daß best. Elemente best. Säften entsprechen, die best. Qualitäten besitzen. Diese Qualitäten faßte man immer doppelt auf, d. h., dem Phlegma wie dem Wasser legte man z. B. die Qualitäten des Feuchten u. Kalten bei. Galen leitete daraus die Vorstellung von der Umwandlungsmöglichkeit eines Elements o. Safts in ein anderes Element o. einen anderen Saft durch eine ther. Maßnahme ab. Damit war ein V. entstanden (Abb. c), das allen Bedürfnissen der damaligen Med. entsprach u. die theoret. Grundlagen für die kommenden Jh. liefern konnte. Abb.

Viererschema
Viererschema

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