Viskosität, dynamische - Medizinlexikon

Synonyme: Symbol η

Zähigkeit, innere Reibung. Soll in einer Flüssigkeit eine ebene Platte parallel zu ihrer Wandung mit einer konstanten Geschwindigkeit v bewegt werden, so muß zur Überwindung der inneren Reibung eine Kraft F aufgewendet werden, die proportional der Fläche A der Platte u. dem Geschwindigkeitsgefälle dv/dx zum Inneren der Flüssigkeit hin ist. F = ? · A · dv/dx; dv ist die Relativgeschwindigkeit, dx der Abstand benachbarter Flüssigkeitsschichten u. ? die dynam. Viskosität o. der Koeffizient der inneren Reibung [SI-Einheit: Pascalsekunde (Pa · s); ältere Einheit: das Poise (P); 1 Pa · s = 10 P]. Der Quotient ? = F/A heißt Schub- o. Scherspannung. Die d. V. ist stark temperaturabhängig. Da hochmolekulare Substanzen die d. V. von Lösungsmitteln stark erhöhen, besteht die Möglichkeit, deren Molmasse durch Messung der d. V. der Lösung zu bestimmen. Klin. bedeutungsvoll ist die Messung der d. V. des Blutplasmas u. von Vollblut. Erstere nimmt insbes. durch erhöhte Konzentrationen von Fibrinogen u. Immunglobulinen stark zu (diagn. Bedeutung: z. B. bei art. Durchblutungsstörungen, Herzinfarkt, Plasmozytom, Waldenström-Krankheit). Die relative Vollblutviskosität (Quotient der dynam. Viskositäten von Blut u. Plasma) ist eine Funktion des Hämatokrits u. der Schergeschwindigkeit. Infolge Erythrozytenaggregation steigt die relative d. V. des Blutes bei niedriger Scherbelastung stark an. Bei hoher Scherbelastung sinkt sie durch Erythrozytendeformation.

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