Tinnitus: Informationen, Therapie & Behandlung

Unter einem Tinnitus (auch: Ohrgeräusche, Ohrengeklingel, Tinnitus aurium) versteht man die anhaltende oder wiederkehrende, teilweise auch progrediente (sich verschlimmernde) Wahrnehmung von Ohrgeräuschen ohne eine akkustische Stimulation von außen. Andere Personen können das Geräusch oder den Ton nicht hören. Der Auslöser kann im Innenohr oder im Gehirn liegen. Ungefähr 35-45% der Bevölkerung hatten schon mal ein vorübergehendes Ohrgeräusch, ein richtiger Tinnitus tritt dagegen nur bei 5-7% auf und kann in jedem Lebensalter beginnen.

Man unterscheidet drei Formen des Tinnitus: Der akute Tinnitus hält bis zu 3 Monate an. Der subakute Tinnitus hält 3-12 Monate an und der chronische Tinnitus manifestiert sich länger als 12 Monate.

Ursachen

Die Enstehung eines Tinnitus kann verschiedene Ursachen haben.
Ein Tinnitus kann nach Lärmeinwirkung oder dem Einfluss von Innenohrgiften (Medikamente) im Hörnerv entstehen. Normalerweise besteht im Hörnerv eine ständige Spontanaktivität der Nervenfasern, die allerdings nicht wahrgenommen wird. Bei Beschallung des Ohres ändert sich diese Aktivität - sie wird in spezifische Signal umgewandelt, die an das Gehirn weitergeleitet werden. Beim diesem Tinnitus ändert sich nun die Spontanaktivität der Nervenfasern bzw. wird abnormal, wodurch es zur Wahrnehmung eines Höreindrucks kommt.
Eine andere Form ist der zentrale Tinnitus bei dem die Signale, die von den Hörnerven übermittel werden, im Gehirn falsch verarbeitet werden und es so zu einem nicht vorhandenen Geräusch kommt, das vom Gehirn "fälschlicherweise" produziert wird.
Die dritte verbreitete Ursache, die zur Entstehung eines Tinnitus führt, ist Stress. Unter Stress schüttet der Körper Hormone aus, die zu einer Verengung der Blutgefäße führen und die Blutplättchen zum Verklumpen anregen. Dadurch kann es zu Verschlüssen der kleinen, das Ohr versorgenden Gefäße kommen. Durch die mangelnde Durchblutung des Innenohrs kann es zum Tinnitus kommen.

Auch gewisse Erkrankungen des Ohres können zu einem Tinnitus führen:
-Verstopfung des Gehörgangs durch Ohrenschmalz oder Fremdkörper
-Mittelohrentzündung oder Risse im Trommelfell
-Hörsturz, Altersschwerhörigkeit, Medikamente, starker Blutdruckabfall, lärmbedingte Hörstörung
-Hirnhautentzündung oder Hirntumor
-Bluthochdruck, niedriger Blutdruck oder Blutarmut
-Multiple Sklerose

Symptome und Diagnose

Die Symptome sind Töne oder Geräusche verschiedenster Art: Pfeifen, Klingeln, Brummen, Summen, Rauschen, Sägen etc. Diese können kontinuierlich sein, an- oder abschwellen, unterbrochen auftreten und auch ihre Frequenz modulieren.
Da der Tinnitus für viele sehr belastend ist, sind begleitende Symptome Schlafstörungen, Angstzustände und Depressionen.

Beim Verdacht auf Tinnitus werden viele Untersuchungen zur Ursachenforschung durchgeführt. Ein Hörtest, eine Blutdruckmessung, eine Ohrenuntersuchung, eine Gleichgewichtsprüfung, eine MRT, eine Blutuntersuchung und unter Umständen sogar eine Funktionsuntersuchung der Halswirbelsäule.

Therapie

Die Therapie ist nicht nur von der Ursache sondern auch von der Dauer des Bestehens des Tinnitus abhängig. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind die Heilungschancen!
Ein akuter Tinnitus wird mehrtägig mit Glukokortikoiden behandelt und es werden Infusionen mit Blutverdünnern verabreicht. Funktioniert dies nicht, kann auch eine hyperbare Sauerstofftherapie gemacht werden. Am besten funktioniern diese Maßnahmen innerhalb von 24 Stunden nach dem ersten Auftreten.
Bei einem subakutem oder chronischem Tinnitus wird zunächst dieselbe Therapie angewandt, aber die Betroffenen werden auch mit einem Tinnitus-Masker ausgestattet, der durch Rauschen das Tinnitus-Geräusch überdeckt. Hier ist außerdem eine Psychotherapie sinnvoll, bei der die Betroffenen lernen durch Entspannungstechniken den Tinnitus zu "überhören". Um das Leben mit dem Tinnitus zu erlernen wird die Tinnitus-Retraining-Therapie durchgeführt. Diese Therapie soll das Gehör gegenüber dem Tinnitus-Geräusch desensibilisieren - das Gehör wird als retrainiert.

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