Colitis Ulcerosa ist eine Form der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) und ist eine chronische, nur die Schleimhaut betreffende Entzündung. Diese Krankeit ist auf den Dickdarm begrenzt und ihre Ursache ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Die zweite, wichtige Form der CED ist der Morbus Crohn. Der Unterschied besteht darin, dass beim Morbus Crohn gleichzeitig mehrere Darmabschnitte erkranken können, die durch gesunde Abschnitte voneinander getrennt sind.
Epidemiologie
Es gibt ca. 5-10/100 000 Fälle im Jahr, wobei die Krankheit weltweit vorkommt, allerdings weitaus häufiger in den westlichen Industrieländern. Außerdem ist ein Nord-Süd-Gefälle zu verzeichnen. Die Erkrankung ist außerdem bei Angehörigen der weißen Rasse häufiger. Lokale Häufungen sind bekannt. Das Geschlechterverhältnis ist ausgeglichen.
Lokalisation
Die Colitis ulcerosa beginnt im Rektum, wo sie bei der Hälfte der Patienten auch bleibt. Bei der anderen Hälfte breitet sie sich kontinuierlich in den Dickdarm aus.
Ursachen
Für Colitis ulcerosa ist die Ursache weiterhin unbekannt. Es gibt jedoch ein derzeitiges Denkmodell welches davon ausgeht, dass die Krankheit besonders bei genetisch empfänglichen Individuen mit einer durch Umweltfaktoren ausgelöster Entgleisung des Immunsystems stattfindet.
Genetische Faktoren:
Das Risiko für Verwandte ersten Grades von Colitis-ulcerosa-Patienten selbst zu erkranken ist um mehr als das 10-fache erhöht.
Immunologische Faktoren:
Wichtig für die gesunde Darmflora sind eine intakte Schleimhaut (bietet Schutz vor den Bakterien, die sich im Darm angesiedelt haben) sowie eine "Erkennung" der normalen Flora (d.h., der Körper erkennt die normal dort angesiedelten Bakterien als gutartig an und reagiert nicht mit einer Entzündung). Wenn einer von diesen beiden Faktoren ausbleibt, kommt es zu einer Entzündungsreaktion, weil es nun ein gestörtes Verhältnis zwischen Darmflora und Darmimmunsystem gibt.
Umweltfaktoren:
NSAR (nicht-steroidale antirheumatische Medikamente) führen zu Schüben der Krankheit. Rauchen hingegen vermindert das Risiko an Colitis ulcerosa zu erkranken.
Krankheitsverlauf
Die Krankheitszeichen sind viel weniger variabel als beim Morbus Crohn, da die Krankheit sich auf den Dickdarm und dessen Schleimhäute beschränkt. Typischerweise verläuft die Krankheit in Schüben, zwischen denen wochen- oder auch jahrelange Pausen liegen können.
Die Symptome enstehen auf zwei verschiedene Weisen:
1. Entzündliche Veränderungen
2. Immunprozesse außerhalb des Verdauungstraktes
Symptome:
- blutiger, schleimiger Durchfall, der auch nachts auftritt (10-20 mal am Tag)
- Gewichtsverlust
- Übelkeit, Appetitlosigkeit
- Fieber
- Anämie (Blutarmut) und Hypoproteinämie (Eiweißarmut)
- Tenesmen (Unterbauchkrämpfe)
Komplikationen:
- Kolonkarzinom (Tumor des Dickdarmes): Kann nach langjährigem Befall durch Veränderungen in der Schleimhaut entstehen, also sind jährliche Kontrollen wichtig.
- toxisches Megakolon: Hier greift die Entzündung auf das Darmnervensystem über und es kommt zur Darmparalyse und Erweiterung. Dies kann zur Perforation führen und auch zur Sepsis (Blutvergiftung).
Diagnose
Die körperliche Untersuchung erbringt oft keine spezifischen Befunde, meist nur einen Druckschmerz im Unterbauch. Der Unterbauch kann auch aufgebläht erscheinen und es besteht oft eine Blässe auf Grund der Blutarmut. Es wird oft Blut bei der rektalen Untersuchung gefunden.
Durch Endoskopie und Biopsieentnahme (Gewebeprobe) kann herausgefunden werden, ob sich die Entzündung sich wirklich nur auf den Dickdarm beschränkt und somit eine Colitis ulcerosa ist.
Laborwerte sind wichtig um die Entzündungsaktivität einzuschätzen und auch eine evtl. Anämie zu diagnostizieren. Bei ca. 70% der Patienten werden außerdem spezifische Antikörper nachgewiesen, die auf eine Colitis ulcerosa hindeuten.
Differentialdiagnostisch muss vor allen Dingen gegenüber einer Dickdarminfektion unterschieden werden, die oft durch wiederholte Stuhlkulturen ausgeschlosse werden kann.
Therapie
Die Colitis ulcerosa kann durch Resektion des Dickdarms (Kolektomie) "geheilt" werden, da sie außerhalb des Kolons nicht vorkommt. Allerdings wird dies nur getan, wenn schwerwiegende Komplikationen auftreten, die Medikamente nicht anschlagen, oder ein hohes Malignitätsrisiko (Krebsrisiko) besteht.
Die konservative (also medikamentöse) Therapie beruht auf der Behandlung des akuten Schubs, der Dauerbehandlung und wenn nötig der Behandlung mit Immunmodulatoren.
Akuter Schub: Hier werden Glukokortikoide verschrieben, die meist wirken allerdings ein Wiederauftreten nicht verhindern (z.B. Prednisolon). Außerdem wird mit Mesalazin behandelt, dass auch antientzündlich wirkt. Auch Antibiotika werden eingesetzt um eine Superinfektion mit Bakterien zu verhindern, während die Schleimhäute geschwächt sind.
Dauerbehandlung: Mesalazin wird auch hier verwendet um den Entzündungsprozess zu stoppen. Außerdem werden Immunsuppressiva (z.B. Azathioprin, Methotrexat) werden zur Ablösung der Glukokortikoide eingesetzt, da ihre Wirkung auch erst verzögert auftritt. Neuerdings wird auch der Immunmodulator Infliximab eingesetzt, dass die Krankheit für ca. 6 Monate deutlich vermindert.
Begleitende Psychotherapie kann helfen mit der chronischen Erkrankung umzugehen und den Krankheitsdruck zu ertragen. Eine Verbesserung der Prognose kann dadurch leider nicht erreicht werden.