Bei der Hypertonie (auch: Bluthochdruck, Hypertension) ist der Blutdruck chronisch (also langfristig) erhöht. Das Gegenteil davon, die Hypotonie, zeichnet sich durch einen
Blutdruck aus der chronisch zu niedrig ist.
Der Blutdruck ist der Druck des Blutes in einem Gefaess. Generell ist mit dem Blutdruck immer der arterielle Blutdruck gemeint.
Beim Messen des Blutdruckes spricht man von einem systolischen und einem diastolischen Wert, aber was ist das eigentlich genau?
Die sogenannte Systole ist wenn das Herz kontraktiert und das Blut in den Koerper hinausgepumpt wird. Es wird also gemessen bis zu welcher Hoehe der Druck bei jeder Herzkontraktion ansteigt und das Ergebnis ist der systolische Wert. Dieser sollte immer hoeher als der diastolische Wert sein.
Die Diastole ist der Zeitpunkt, wenn das Herz erschlafft (Relaxation) und sich mit Blut auffuellt. Dies ist eine passive Funktion des Herzens. Es wird nun also gemessen bis wohin der Druck abfaellt wenn die Relaxation eintritt. Das ist dann der diastolische Wert.
Als optimaler Blutdruck gilt 120/80 mmHg (in dieser Einheit wird der Druck gemessen). Ist der Blutdruck hoeher als 140/90 mmHg spricht man von einer Hypertonie, Werte dazwischen sind grenzwertig (WHO Richtlinien).
Epidemiologie
Die Haeufigkeit der arteriellen Hypertonie steigt seit den 80er Jahren kontinuierlich an. In den westlichen Industrielaendern hat etwa jeder zweite Erwachsene einen Blutdruck von ueber 140/90 mmHg - also eine Hypertonie. Mit steigendem Alter nimmt die Haeufigkeit stark zu. Hypertonie ist eine der haeufigsten Beratungsanlaesse beim Hausarzt, da Deutschland mit an Europa's Spitze steht, was den Prozentsatz der Bevoelkerung mit Hypertonie angeht.
Ursachen
Man unterscheidet zwischen primaerer und sekundaerer Hypertonie.
Primaere Hypertonie, auch essentielle Hypertonie genannt, ist eine Krankheit in sich selbst. Patienten die an essentieller Hypertonie leiden, muessen ihr Leben lang mit blutdrucksenkenden Medikamenten behandelt werden. Die Ursachen dieser Hypertonie ist multifaktoriell (es gibt also viele Ursachen) und es ist immer noch nicht genau geklaert, was genau zu hohem Blutdruck fuehrt, obwohl es viele Vermutungen gibt.
Die sekundaere Hypertonie entsteht sozusagen als Folge einer anderen Erkrankung, also als Symptom und nicht als Grunderkrankung wie die primaere Hypertonie. Es gibt verschiedene Krankheiten die zu einer sekundaeren Hypertonie fuehren koennen, unter anderem Nierenerkrankungen, Stoerungen im Hormonhaushalt, sowie angeborene Missbildungen der Hauptschlagader (Aorta).
Symptome
Die Hypertonie verlaeuft meist symptomfrei. Bei maessig erhoehtem Blutdruck kann es zu Kopfschmerzen, Schwindel oder Nasenbluten kommen.
Bei stark erhoehtem Blutdruck kann es dann auch zu Atemnot bei Belastung (Dyspnoe), Uebelkeit und Angina pectoris (Schmerzen in der Brust) kommen.
Folgen der Hypertonie
Bluthochdruck ist als Risikofaktor fuer die Entwicklung von Arteriosklerose anerkannt. Arteriosklerose zeichnet sich dadurch aus, dass sich Fette, Bindegewebe und Kalk in den Gefaessen ablagern und sie so verengen. Die Ablagerungen werden haeufig auch Plaques genannt. Somit kann Arteriosklerose zum Beispiel zu Angina pectoris fuehren oder auch zu einem kompletten Verschluss einer Arterie, was z.B. einen Herzinfarkt zur Folge haben kann.
Kommen zum Bluthochdruck noch weitere Risikofaktoren hinzu, wie z.B. Adipositas (Fettleibigkeit), Diabetes mellitus, oder erhoehte Cholesterinwerte, besteht eine signifikant hoehere Gefahr im Laufe des Lebens an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu erkranken (z.B. Herzinfarkt, Schlaganfall, peripher arterielle Verschlusskrankheit).
Fakt ist, dass bei vielen Leuten mehrere Risikofaktoren gegeben sind, so dass eine Senkung des Blutdruckes von immenser Bedeutung fuer die Verhinderung einer weiteren Erkrankung ist.
Ausserdem koennen durch anhaltend hohen Blutdruck sowohl die Augen als auch die Nieren geschaedigt werden, so dass es zu Nierenversagen kommen kann.
Diagnose
Um eine Hypertonie behandeln zu koennen, ist es wichtig sie korrekt zu diagnostizieren. Der Blutdruck wird vom Arzt mit Hilfe einer Armmanschette und eines Sphygomanometers. Die Manschette wird aufgepumpt, so dass sich Druck aufbaut, der dann langsam abgelassen wird. Mit Hilfe eines Stethoskops kann der Arzt hoeren wann der systolische und wann der diastolische Wert auftritt und muss nun nur auf das Druckmessgeraet (also das Sphygomanometer) schauen um den korrekten Druck in mmHg abzulesen.
Es ist wichtig den Blutdruck ueber einen laengeren Zeitraum mehrmals zu kontrollieren, da manche Patienten aus Nervositaet beim Arzt einen hoeheren Blutdruck als sonst haben. Hilfreich ist es oft auch, wenn der Patient auch zu Hause Messungen vollzieht um sicher zu gehen, dass es sich wirklich um eine Hypertonie handelt.
Therapie
Durch eine dauerhafte Blutdrucksenkung kann das Krankheits- und Todesrisiko stark gemindert werden. Daher ist es enorm wichtig behandelt zu werden und die Behandlung auch durchzuziehen!
Die Grundlage der Therapie ist die Veraenderung des Lebensstils, da viele Faktoren einen negativen Einfluss auf den Blutdruck haben koennen:
- Beendigung des Rauchens
- Gewichtsreduktion (enorm wichtig, da Uebergewicht sehr stark zur Hypertonie beitraegt)
- Reduktion des Alkoholkonsums
- Sport !!! (staerkt das Herz-Kreislauf-System und traegt zur Gewichtsreduktion bei)
- Reduktion des Kochsalzkonsums
- gesunde Ernaehrung (viel Obst, Gemuese und Vollkornprodukte, wenig rotes Fleisch, Suessigkeiten, fettige Mahlzeiten und Fertiggerichte)
Zur Unterstuetzung wird meist noch eine medikamentoese Therapie angesetzt. Fuer die Therapie werden Antihypertonika, auch Antihypertensiva verwendet, von denen es sehr viele gibt, wie z.B. ACE-Hemmer, Betablocker, Diuretika, Calciumantagonisten, Betablocker usw. Der Arzt stimmt die Medikamente generell auf die individuellen Beduerfnisse des Patienten ab und natuerlich ist die Dosis bzw. Anzahl der Medikamente auch vom Schweregrad der Hypertonie abhaengig. Die Medikamente werden entweder als Monotherapie (also nur eins), als Zweifachkombination oder als Dreifachkombination verabreicht.
Allerdings ist Hypertonie wirklich eine Krankheit, bei der der persoenliche Einsatz des Patienten im Sinne einer Lebensstilaenderung gefragt ist. Die medikamentoese Therapie allein ist nicht so hilfreich, wenn der Patient nicht auch an den Risikofaktoren, wie Rauchen, Uebergewicht etc., etwas aendert. Also ist es ganz wichtig diese Aenderungen vorzunehmen!
Hypotonie
Nun noch kurz etwas zur Hypotonie, also ein Blutdruck der chronisch unter den Normalwerten liegt. Bei Maennern spricht man ab einem Blutdruck unter 115 mmHg und bei Frauen von unter 105 mmHg von einer Hypotonie.
Bei jungen Menschen tritt oft eine Hypotonie auf, die aber als normal bzw. gesund angesehen wird.
Es gibt zwei Formen der Hypotonie: Die essentielle und die orthostatische Hypotonie.
Bei der essentiellen Hypotonie ist auf ein Volumendefizit im Koerper, der meist aus Fluessigkeitsmangel entsteht, zurueckzufuehren, da ohne genuegend Blutvolumen nicht genug Druck aufgebaut werden kann. Diese Form der Hypertonie tritt haeufig bei aelteren Menschen auf.
Die orthostatische Hypotonie ensteht durch eine Kreislaufregulationsstoerung. Es entsteht zum Beispiel ein Blutdruckabfall beim Aufstehen aus der Liegeposition, weil der Koerper nicht mehr schnell genug den Blutdruck regulieren kann. Dann kommt es zu Schwindel, Schwaechegefuehl, Herzklopfen, Zittern und einem Schwarzwerden vor Augen. Dies wird nur als orthostatische Hypotonie bezeichnet, wenn es wirklich haeufig vorkommt und zu sehr starken Beschwerden fuehlt, da ja viele von uns manchmal beim Aufstehen einige der Symptome verspueren.
Die Folgen einer generellen Hypotonie sind Muedigkeit, Schwindel, Schwaeche und Ohnmachtsneigung. Das kommt daher, dass durch den niedrigen Blutdruck nicht genug sauerstoffhaltiges Blut in das Gehirn gelangt. Abgesehen von Sekundaerverletzungen, wie z.B. Stuerzen durch Ohnmacht, ist die Hypotonie nicht schaedlich fuer den Koerper. Menschen mit einer Hypotonie haben eine deutlich hoehere Lebenserwartung als Patienten mit einer Hypertonie (Bluthochdruck).