Die Anorexia nervosa (auch: Anorexie, Magersucht, Eßstörung) gehört zu den Eßstörungen und tritt vor allem auf bei jungen Frauen und Mädchen zwischen dem 10. und 25. Lebensjahr. Männer sind eher selten betroffen. Die Eßstörung entspringt dem starken Wunsch, schlank zu werden und zu bleiben, gepaart mit der überhöhten Furcht vor einer Gewichtszunahme. Oftmals empfinden sich Betroffene als fett und unförmig, selbst dann, wenn sie deutlich unter ihrem Normalgewicht liegen. Anorexiapatienten leiden zumeist unter einer verzerrten Körperwahrnehmung. Sie sind selbst zu extremen Hungerkuren bereit, nur um das zu erreichen, was sie als Idealgewicht begreifen. Zugleich sind sie bemüht, ihre Ernährungssituation vor ihren Mitmenschen zu verbergen. Dabei gehen sie oftmals so geschickt vor, daß ihre Nahrungsverweigerung in ihrem Umfeld lange Zeit unbemerkt bleibt. Um die Gewichtsabnahme noch zusätzlich zu beschleunigen, betreiben die betroffenen Frauen und Mädchen oftmals intensiv Sport.
Um die Nährstoffaufnahme nach den Mahlzeiten zu reduzieren, greifen sie oft zu Abführmitteln. Durch diesen Laxantienabusus, also Abführmittelmisbrauch, wird die Darmpassage der Nahrung enorm beschleunigt. Sie durchquert den Darm quasi im Eilschritt, so das weniger Nährstoffe von der Schleimhaut aufgenommen werden und ins Blut gelangen können. Auch künstlich hervorgerufenes Erbrechen gehört zum Abnehmrepertoire der Kranken sowie die Einnahme von Entwässerungstees. Das tatsächliche Ausmaß der Nahrungsverweigerung wird von Angehörigen und Freunden zumeist lange unterschätzt.
Die Ursachen können bis heute nicht befriedigend erklärt werden. Abfällige, herabwürdigende Bemerkungen über Körperform- und Gewicht kommen hierfür ebenso in Frage wie eine erste herbe Liebesenttäuschung oder der Wunsch, quasi in vorauseilendem Gehorsam den Anforderungen unserer Gesellschaft durch ein Idealgewicht zu entsprechen.
Symptome der Anorexie:
Hauptsymptom ist die extreme Gewichtsabnahme bis hin zur völligen Auszehrung (Kachexie).
Ebenfalls häufig zu beobachten ist ein Ausbleiben der monatlichen Regel (Amenorrhoe)
Auch dauerhafte Verstopfung (chronische Obstipation) zählt zu den Symptomen. Durch die ständigen Abführhilfen " verlernt der Darm gewissermaßen selbstständiges Arbeiten. Die natürliche Passagegeschwindigkeit nimmt ab und der Nahrungsbrei verbleibt so länger im Dickdarm, wo er eingedickt wird und so zur Verstopfung führt.
Ebenfalls auffälig ist oftmals eine ausgeprägte innere Unruhe verbunden mit einer motorischen Überaktivität. Typisch für unterernährte Menschen ist gewöhnlich eine gewisse Trägheit, die hier jedoch nicht zum Ausdruck kommt.
Ebenfalls als charakteristisch gilt ein fehlendes Krankheitsbewußtsein für den eigenen Körper, als auch für die Seele. Die Kranken klagen weder über Konflikte, noch über Belastungen.Ihr abgemagerter, ausgezehrter Körper erscheint ihnen als völlig normal
Durch den akuten Nährstoffmangel treten weitere körperliche Symptome in den Vordergrund.
Der Botenstoffwechsel entgleist zunehmend (endokrine Störungen),
Es kommt zu Haarausfall, auch die Zähne können betroffen sein,
Durch den hohen Eiweißmangel kann der Körper seine Flüssigkeit nicht mehr osmotisch im Blut festhalten, so daß sie sich im Gewebe sammelt. Die Folge sind Gewebsaufschwemmungen (Ödeme)
Eine weitere Folge der Elektrolytverlußte (z.B. durch Erbrechen) sind eine verlangsamte Herzfrequenz (Bradikardie) und niedriger Blutdruck (Hypotonie) sowie eine verringerte Körpertemperatur (Hypothermie).
Therapie der Anorexie
Die Anorexia nervosa ist eine ernstzunehmende Krankheit. Ungefähr 5 bis 10% der Erkrankten sterben an einem Flüssigkeits- und Mineralstoffmangel, einer erhöhten Infektanfälligkeit (z.B. Lungnentzündung) oder Suizid.
Der Weg zurück ins Leben ist lange und beschwerlich. Oft haben die Kranken erhebliche Mühen, mit ihren Therapeuten zusammen zu arbeiten. Vielfach erleben sie diese sogar als Gegner, weil sie deren Wunsch nach Gewichtsverlust entgegenstehen. Eine Psychotherapie ist oft unvermeidbar. Dennoch sind viele der Patientinnen nicht von den Vorteilen einer längeren Therapie zu überzeugen.
Es erscheint jedoch einen gewissen Erfolg zu versprechen, wenn es gelingt, die Patienten davon zu überzeugen, dass man sie, ebenso wie ihr Streben nach Autonomie, akzeptiert und respektiert, nicht jedoch deren Selbstzerstörung.