Soziale Phobie: Informationen, Therapie & Behandlung

Eine soziale Phobie ist eine unangemessen starke und anhaltende Angst vor und in sozialen Situationen, die über "normales" Lampenfieber oder Schüchternheit weit hinausgeht. Besonders Situationen bei denen man im Fokus der Aufmerksamkeit steht oder von anderen geprüft wird, machen den Betroffenen Angst. Die Angst kann fast alle sozialen Situationen umfassen oder sich nur unter sehr konkreten Umständen äußern. Die Betroffenen sind sich fast immer der Übertriebenheit ihrer Angst bewusst. Personen mit dieser Phobie entwickeln häufig ein Vermeidungsverhalten um Situationen, die Angst auslösen aus dem Weg zu gehen, was zu erheblichen Einschränkungen in ihrem alltäglichen Leben führt. Die soziale Phobie ist eine der häufigsten Angsterkrankungen und tritt meist zuerst im Jungend- oder jungen Erwachsenenalter (vor 25) auf. Je früher sie behandelt wird, desto besser stehen die Chancen auf Heilung.

Ursachen

Es gibt verschiedene Theorien, die das Entstehen einer Angststörung erklären.
Die lerntheoretische Erklärung geht davon aus, dass die Person zunächst die Angst vor einer neutralen Situation "erlernt". Durch Vermeiden dieser Situation verstärkt sich die Angst und wird aufrechterhalten. Außerdem werden Angstsymptome wie Herzrasen als Gefahrensignal wahrgenommen wodurch sich die Angst noch verstärkt, was wiederum zu einer Verstärkung der Symptome führt - also ein Teufelskreis. Außerdem tritt durch die wiederholten Angstattacken eine Angst vor der Angst auf.

Die psychoanalytische Theorie geht davon aus, dass der Betroffene nie gelernt hat mit normaler Angst umzugehen und deswegen in Konfliktsituationen (sei es nun mit jemand Anderem oder mit sich selbst) schnell überfordert ist. Die inneren Konflikte werden dann sozusagen über die Angstattacken "nach außen" verlagert um sich selbst zu schützen.

Der dritte Ansatz geht davon aus, dass nicht nur Lerneffekte zu einer Angststörung beitragen sondern auch eine biologische Disposition (Veranlagung) besteht. Hierbei spielt die Stabilität des autonomen Nervensystems, das die Funktion der inneren Organe wie z.B. Herz oder Darm kontrolliert und reguliert, eine große Rolle. Personen mit Angststörungen scheinen ein sehr labiles autonomes Nervensystem zu haben, was durch kleinste Reize erregt werden kann. Dies führt dann zu einer schnelleren Ausprägung von Angstsymptomen. Diese Labilität scheint angeboren zu sein. Auch verschiedene Hirnregionen scheinen bei diesen Patienten "überaktiv" zu sein.

Symptome


Im Mittelpunkt der sozialen Phobie steht immer die Angst vor sozialen Situationen, die sich bis zur Panik steigern kann. Der Betroffene befürchtet dabei stets einen Kontrollverlust. Körperlich äußert sich die Angst durch:

  • Schwitzen
  • Eröten
  • Händezittern
  • Übelkeit, Erbrechen, Schwindel
  • Herzklopfen oder -rasen
  • Vermehrter Harn- oder Stuhldrang
  • das Gefühl keine Luft zu bekommen
  • Engegefühl in der Brust oder im Bauch
  • Mundtrockenheit
  • Vermeiden von Blickkontakt


Die Betroffenen tun fast alles um die angsteinflößenden Situationen zu vermeiden und isolieren sich dadurch oft von Anderen.

Diagnose

Die Diagnose wird anhand einer psychopathologischen Untersuchung gestellt. Mit Hilfe der Krankengeschichte des Patienten kann man eine Verdachtsdiagnose erstellen, die dann durch verschiedene Tests zur sozialen Phobie bestätigt werden kann. Außerdem ist es wichtig die soziale Phobie von anderen Erkrankungen wie z.B. Depressionen abzugrenzen. Auch organische Ursachen der Angstattacken (z.B. Schilddrüsenüberfunktion) sollten ausgeschlossen werden.

Therapie

Je nach Einzelfall kommen verschiedene Therapieansätze zum Einsatz. Als erfolgreich haben sich vor allem Verhaltenstherapien mit zusätzlichen Entspannungsmethoden bewährt. Die Therapie wird von Psychotherapeuten entweder ambulant oder stationär durchgeführt.

Die Verhaltenstherapie dient vor allem dazu den Betroffenen dazu zu bringen die Angstsituationen nicht mehr zu vermeiden. Hierzu werden die Verfahren sytematische Desensibilisierung und Reizkonfrontation angewandt. Hierbei soll sich der Betroffene entweder in der Realität oder in einer nachgespielten Situation der Angst stellen. Der Betroffene soll lernen, dass bei einer Konfrontation mit der Situation die befürchteten Konsequenzen, die ja die Angst auslösen, ausbleiben.
Als Enstpannungsmethoden werden vor allem autogenes Training, progressive Muskelentspannung und Biofeedback (Rückmeldung über Anspannung bestimmter Körperteile) genutzt.
Sollte die soziale Phobie extrem stark ausgeprägt sein, kann auch eine medikamentöse Therapie erfolgen. Hierzu werden meist Psychopharmaka wie selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) eingesetzt. Auch Beruhigungsmittel (z.B. Benzodiazepine) können eingesetzt werden. Allerdings sollten diese Mittel wegen der Abhängigkeitsgefahr nicht über längere Zeiträume eingesetzt werden.

Unbehandelt nimmt die soziale Phobie oft einen chronischen Verlauf. Außerdem können Drogen- oder Alkoholmissbrauch sowie starke Depressionen auf Grund der sozialen Isolation die Folgen sein.

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