Als Adipositas (auch: Adipositas – Übergewicht - Fettleibigkeit - Fettsucht) bezeichnet man die starke Zunahme an Körpergewicht. Übergewicht ist fast immer das Ergebnis eines Ungleichgewichtes zwischen Nahrungsaufnahme und tatsächlichem Nährstoffverbrauch. Oder anders ausgedrückt, wenn ich mehr esse, als ich benötige, dann setze ich Fett an. Und das aus gutem Grund. Unser Körper hat während unserer Entwicklung zum Menschen in den letzten 500 000 Jahren einige äusserst sinnvolle Überlebensstrategien entwickelt. Damals waren wir nicht sesshaft, sondern ständig unterwegs auf der Suche nach Nahrung. Nun sind Nahrungsvorräte nur begrenzt haltbar, wenn man sie im Rucksack mit nimmt. Isst man sie jedoch auf, so können sie als Energiereserve in Form von Fett gespeichert werden und bleiben uns erhalten, bis wir sie wieder benötigen. Entwicklungsbiologisch betrachtet ein genialer Schachzug, denn Fett enthält von allen Körperstoffen die höchsten Energiereserven. In unserer heutigen Überflußgesellschaft leisten wir bedeutend weniger körperliche Arbeit als noch vor tausenden von Jahren. Zugleich ist unser Nahrungsangebot bis ins Extrem gewachsen.
Zunehmen will geübt sein
Ein weiterer Faktor, der die Gewichtszunahme begünstigt, ist die Fähigkeit unseres Magens, sich auf ein erhöhtes Nahrungsangebot einzustellen, indem er einfach größer wird. Unsere Magenwand besteht, neben der Magenschleimhaut, aus drei Muskelschichten, die für die Eigenbewegung des Magens zuständig sind und den Nahrungsbrei ordentlich durchwalken. Zwischen diesen einzelnen Muskelschichten befindet sich ein Netz aus Nervenfasern, der sogenannte Plexus myentericus. Übersetzt heißt das soviel wie: „Geflecht zwischen den Muskelschichten“. Wenn nun der Magen während der Mahlzeit einen gewissen Füllstand erreicht hat und sich ausdehnt, erfolgt dadurch ein Dehnungsreiz auf dieses Nervengeflecht und als Folge davon geht die Information an das Gehirn: „Ich habe genug, bitte Hungerreiz ausschalten“. Es folgt ein angenehmes Sättigungsgefühl. Dieser Punkt des 'Genughabens' kann nun aber nach oben trainiert werden. Der Zeitpunkt, an dem der Dehnungsreiz des Plexus myentericus Sättigung signalisiert, verschiebt sich nach hinten und der Magen wird darin geübt, immer mehr Inhalt fassen zu können ohne sich wirklich voll an zufühlen. Damit ist die Türe aufgestoßen zu einem Teufelskreis, aus dem es nur schwer ein Entrinnen gibt.
Abnehmen will geübt sein
Denn das ausgeleierte Nervengeflecht signalisiert nun ununterbrochen dem Gehirn: „Kein ausreichender Dehnungsreiz, also zu wenig Nahrung“. Und das Gehirn antwortet auftragsgemäß mit einem Mangelsignal, welches wir dann als Hungerreiz wahrnehmen. Da müssen wir durch, wenn wir abnehmen wollen, solange, bis das Nervengeflecht sich wieder genügend nachgespannt hat und der Sättigungszeitpunkt wieder nach vorne gerutscht ist. Ein weiterer Umstand, der das Abnehmen erschwert, ist die Tatsache, dass der Körper in der Regel nur einen kleinen Teil der aufgenommenen Nährstoffe wirklich verwertet. Je mehr wir essen, desto weniger von der Nahrung landet wirklich im Blut. Wenn wir nun auf einmal beginnen, zu fasten, dann dreht sich dieser Prozess um. Jetzt holt der Körper sich selbst den kleinsten Nährstoffanteil aus der Nahrung und obwohl wir viel weniger essen als vorher, bleibt uns unser Hüftgold dennoch erhalten.
Wie also abnehmen?
Abnehmen hat also in erster Linie gar nichts mit Gewichtsverlust zu tun, sondern mit einer Umstellung des Körpers infolge eines Lernprozesses. Der Magen muß lernen, früher Bescheid zu geben wenn er gefüllt ist, der Darm muß lernen, auch während der Abnehmphase nicht jedes einzelne Kohlenhydrat zu verwerten und der übergewichtige Mensch selbst muß lernen, sich einerseits auf Nährstoffe zu beschränken, die notwendig sind ohne dick zu machen sowie andererseits die angesammelten Fettreserven zu verbrauchen. Das kostet Zeit, in der Regel einige Jahre. Doch nur wer langsam und mit System abnimmt, kann sein Gewicht anschliessend auch halten. Jede Eile führt, infolge der oben beschriebenen Mechanismen, unweigerlich zum berüchtigten JoJo-Effekt
Vorgehen zur Gewichtsreduktion: Zunächst einmal muß eine Ernährungsumstellung erfolgen. Hierzu empfiehlt sich die Hilfe eines Ernährungsberaters. Ebenfalls notwendig ist Bewegung. Aber auch diese muß mit Sinn und Verstand erfolgen. Übergewichtige Menschen setzen ihre Gelenke, insbesondere die Sprung- und Kniegelenke, einer hohen Mehrbelastung aus. Auf dieses Gewicht sind Gelenke eigentlich gar nicht ausgelegt. Umso wichtiger ist es, die körperliche Betätigung gelenkschonend vorzunehmen. Der Rat eines Sportmediziners oder eines Physiotherapeuten macht daher Sinn. Zu empfehlen sind hier zudem weiche und ausgleichende Bewegungssportarten wie Tai Chi oder Qui Gong. Der Beitritt zu einem entsprechend Verein ist zu empfehlen, den in der Gruppe macht jede sportliche Betätigung automatisch mehr Spaß und man lernt zudem nette neue Leute kennen.