Depressionen (auch: depressive Störung, depressive Episode, Melancholie) zählen wohl zu den ältesten Krankheiten der Menschheit. Der Begriff der Melancholie z.B. reicht zurück bis in die Zeit des Hippokrates. Der Begriff setzt sich zusammen aus den Wortteilen: griech. mela = schwarz und chol. für Galle. Schwarze Galle stand dem damaligen humoralen Verständnis der Säftelehre zufolge für Weltschmerz, Schwermut und Selbstzweifel.
Eine Depression unterscheidet sich von der natürlichen, und auch gesunden Trauer durch ihre Intensität und ihren anhaltenden Charakter. Um Depressionen differenziert betrachten zu können, unterscheidet man sie bis heute in mehrere Hauptformen.
1.Die somatogene Depression hat körperliche Ursachen (griech.soma=Körper). Ihr zugrunde liegen können Ursachen wie eine Schilddrüsenunterfunktion oder eine krankhafte Entgleisung des Gehirnstoffwechsels.
2.Die endogene Depression wiederum kann, aber muss nicht, mit psychotischen Symptomen zusammen auftreten. Ihre Ursachen sind bis heute nicht hinlänglich geklärt. Es wird vermutet, dass einerseits erbliche Faktoren in deren Entstehung mit hineinspielen, andererseits aber auch Veränderungen im Gehirnstoffwechsel dafür verantwortlich gemacht werden können. Ausgelöst wird sie in der Regel durch Veränderungen des Aufenthaltsortes, der Lebenssituation oder belastende Situationen im Umgang mit anderen Menschen. Im Verdacht stehen zudem Belastungen mit Amalgam, Umweltgiften aber auch Elektrosmog oder Wasseradern. Letztere beide entziehen sich jedoch nach wie vor hartnäckig jeder Beweisführung.
3.Psychogene Depressionen wiederum bezeichnen das Feld der seelisch erworbenen depressiven Störungen. Sie lassen sich in zwei Klassen unterteilen. Die neurotische und die reaktive Depression.
Die neurotische Depression (auch: depressive Neurose, Dysthymia) äußert sich als Reaktion auf ein Erlebnis aus frühen Tagen der Kindheit oder der Jugend, an welches sich die Betroffenen zumeist nicht mehr erinnern. Sei es ein Mangel an frühkindlicher Geborgenheit oder ein zwischenmenschlicher Konflikt während der Pubertät. Durch aktuelle Ereignisse wie einen drohenden Partnerverlußt oder die Sorge um den Arbeitsplatz können diese alten Konflikte wieder reaktiviert werden und führen dann zur jeweiligen Symptomatik.
Die reaktive Depression wiederum wird durch ein aktuelles Ereignis ausgelöst. Sei es der Tod eines geliebten Menschen, ein erlittenes schweres Unrecht oder eine durchlebte schwere Krankheit.
Dabei kann die depressive Reaktion sofort auf das auslösende Ereignis oder auch erst Wochen später auftreten.
Daneben gibt es zudem noch mehrere Sonderformen, die es zu unterscheiden gilt.
Die Erschöpfungsdepression ist die Antwort des Organismus auf Dauerbelastungen oder sich ständig wiederholende Traumata
Die Wochenbettdepression (Babyblues) tritt während der ersten zwei Wochen nach einer Geburt auf. Zumeist klingt sie nach einiger Zeit von selbst wieder ab, es gibt jedoch auch Ausnahmen, die bis hin zum erweiterten Suizid (Mutter und Kind) gehen können.
Die Klimakterische Depression ist das Ergebnis der Hormonumstellung während der Wechseljahre. Hinzu kommen psychosoziale Auslöser wie die Angst vor dem Altwerden oder das leere Haus, nachdem die Kinder flügge geworden sind.
Die Altersdepression, die in der Regel erst ab dem 65ten Lebensjahr auftritt, kann durch körperliche (hirnorganische) Abbauprozesse, aber auch durch Alterseinsamkeit und ein allgemeines Gefühl des Isoliertseins zustandekommen.
Ebenfalls zu erwähnen ist die saisonale Depression, auch Winterdepression genannt, die von einem Lichtmangel (UV-Mangel) herrührt.
Menschen mit Depressionen scheuen sich in der Regel davor, professionelle Hilfe anzunehmen. Leider ist dieses Krankheitsbild immer noch stigmatisiert, vergleichbar einer Geisteskrankheit. Durchschnittlich leiden Patienten erst einmal ca. 7 Jahre lang, bevor in ihnen die Bereitschaft reift, sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen oder einen Psychologen, bzw. Psychater aufzusuchen. Ein weiterer Fehler, der depressiven Menschen häufig unterläuft, ist das frühzeitige Absetzen der Medikamente sobald sie sich etwas besser fühlen. Da die Antidepressiva nicht nur seelischen Schmerz dämpfen sondern auch antriebssteigernd wirken, ist hier die Suizidgefahr nicht zu unterschätzen. Die neu gewonnene Motivationsenergie kann bei Absetzen der Medikamente schnell in die falsche Richtung zielen. Darüber hinaus zeichnen sich Depressionen aus durch eine innere Leere verbunden mit der Wahrnehmung einer tiefen Gefühllosigkeit, oftmals Schlaflosigkeit und morgendlichem Früherwachen sowie unterschiedlichem Tageserleben das in der Regel zwischen einem mogendlichem Stimmungstief und abendlicher Besserung der Symptomatik wechselt.
Symptome:
Depressive Verstimmungen äußern sich durch Niedergeschlagenheit. Die betroffenen Menschen sind niedergedrückt und freudlos. Ihre seelische Gefühlswahrnehmung ist auf ein Minimum heruntergefahren. Dies äußert sich in einer allgemeinen Gefühlsarmut. Der emotionale Panzer schützt nicht nur vor Unschönem, er verhindert zugleich auch das Erleben von schönen Gefühlen. Nicht selten schämen sich depressive Menschen für ihre Gefühlsarmut, anstatt sie als eine Art Schutz zu begreifen.
Antriebslosigkeit und Denkhemmung sind ein weiteres mögliches Symptom, welches mit einer Depression üblicherweise einhergeht. Die Betroffenen haben das Gefühl, eine bleierne Kappe auf dem Kopf zu tragen, die alles Denken verlangsamt. Zugleich tritt eine ausgeprägte Reaktionsarmut hinzu. Die Sprache ist leise und zögernd, die Bewegungen sind langsam und spiegeln ein Bild massiver Erschöpfung wider. Durch diese äußerliche Verlangsamung ihrer Reaktionen sind den Betroffenen ihre innere Unruhe und ihre Ängste zumeist nicht anzumerken. Eher selten drückt sich Depression in agitierter Form, also durch Händeringen, unruhigem Hin- und Herlaufen oder andere Verzweiflungsäußerungen aus.
Erleben die Betroffenen ihre Depression hingegen nur körperlich, so spricht man von einer larvierten Depression. Ein bleischweres Körpergefühl kann ebenso darauf hinweisen wie Kopf- und Rückenschmerzen, Bauchschmerzen oder Druckschmerz im Brustbereich. Die körperlichen Symptome stehen so stark im Vordergrund, dass die Depression als eigentliches auslösendes Element häufig unentdeckt bleibt.
Einige Symptome sind jedoch so typisch für Depressionen, dass sie praktisch bei allen Formen der Depression mit auftreten. Dazu gehören Schlafstörungen und frühmorgendliches Erwachen genauso wie Appetitverlußt sowie Libido- und Potenzstörungen.