Eklampsie – Komplikation am Ende der Schwangerschaft

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Erhöhter Blutdruck, starke Kopfschmerzen, Krämpfe. In der Schwangerschaft sollten diese Beschwerden hellhörig machen. Sie könnten auf eine Eklampsie hinweisen – eine ernstzunehmende Erkrankung, die während oder kurz vor der Geburt auftreten kann. Bei Verdacht auf eine Eklampsie dürfen Sie keine Zeit verlieren: Für Mutter und Kind könnte sie lebensbedrohlich sein.

 

 

Die Eklampsie ist die vierthäufigste Todesursache junger Mütter. Bei knapp einem Viertel der Babys, die nach der Geburt sterben, liegt die Ursache in einer Erkrankung der Mutter im letzten Schwangerschaftsdrittel. Doch so muss die Krankheit nicht verlaufen: Wer die Warnzeiten rechtzeitig erkennt und sich behandeln lässt, kann die Gefahren der Krankheit abwenden. So kann zum Beispiel die sogenannte Präeklampsie eine Eklampsie ankündigen. Dabei treten die für eine Schwangerschaft typischen Wassereinlagerungen verstärkt und gemeinsam mit erhöhtem Blutdruck und Puls sowie der Ausscheidung von Eiweißen auf.

Die Beschwerden bei Eklampsie

Die Eklampsie entwickelt sich langsam aus der Vorerkrankung oder geht ganz plötzlich daraus hervor. Sie äußert sich durch ein allgemeines Krankheitsgefühl, Bauchschmerzen, heftige Kopfschmerzen und Sehstörungen. Durch die neurologischen Störungen im Gehirn kommt es in vielen Fällen zu Krampfanfällen, die die Atmung beeinträchtigen können. Manchmal macht sich bei den Patientinnen auch Verwirrtheit bemerkbar. Die auftretenden Krämpfe ähneln in ihrer Art und Ausprägung deutlich den Anfällen, wie sie auch bei einer Epilepsie auftreten. Unbehandelt können Organschäden, vor allem im Bereich der Leber und Nieren, zurückbleiben. Bei schwerem Verlauf kann die Eklampsie Hirnblutungen, ein Koma oder gar den Tod der Mutter verursachen.

Doch auch für das ungeborene Kind stellt die Eklampsie eine große Gefahr dar. Durch die schwere Erkrankung der Mutter wird es nicht ausreichend mit Blut versorgt – ein Sauerstoffmangel ist die Folge. Je nach Ausprägung sind beim Baby dadurch Hirnschäden möglich. Im späteren Verlauf könnte sich außerdem seine Entwicklung verzögern. Löst sich der Mutterkuchen vorzeitig ist die Gefahr besonders groß: Ohne ärztliche Behandlung könnte das Baby sterben.

Stellt sich tatsächlich eine Eklampsie heraus, gilt vor allem eines: Ruhe bewahren. Negative Konsequenzen der Erkrankung sind nicht unausweichlich. Im Krankenhaus kann das Personal den Zustand der Mutter und ihres Babys genau überwachen. Strenge Bettruhe und die strikte Meidung von Stressfaktoren unterstützen die Erholung. Mit speziellen Medikamenten senken die Ärzte den Blutdruck und schwächen die Krampfanfälle ab. Ratsam ist für die Behandlung auch eine sofortige Geburt – das schließt eventuell die Entscheidung zu einem Kaiserschnitt mit ein. Denn eines ist bei Eklampsie immer gleich: Nach der Entbindung bessert sich die Symptomatik allmählich.

Das HELLP-Syndrom, eine Sonderform der Eklampsie, geht zusätzlich zu den übrigen unangenehmen und gefährlichen Beschwerden mit einem Zerfall der roten Blutkörperchen, Störungen der Leberfunktion und einem Absinken der Blutplättchen einher, die bei der Blutgerinnung eine entscheidende Rolle spielen. Diese schwerste Form der Eklampsie kann zu einer Leberruptur und Gehirnblutungen führen. Tritt das HELLP-Syndrom auf, holen die Ärzte das Baby in den meisten Fällen durch einen sofortigen Kaiserschnitt auf die Welt – das Risiko für Mutter und Kind ist zu groß.

Der Eklampsie auf der Spur

Um der Erkrankung auf die Schliche oder im besten Fall zuvor zu kommen, sind vor allem die Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft entscheidend. Blutdruckmessungen, die Kontrolle des Urins auf eine erhöhte Proteinausscheidung und die Untersuchung der Organe und des Blutes auf Funktionsstörungen im Körper sind entscheidende Spurensucher bei Eklampsie. Mittels Ultraschalluntersuchungen können auch der Zustand des Babys und des Mutterkuchens überwacht werden. Die Kardiotokografie gibt Auskunft über die fetale Herztätigkeit und lässt damit ebenfalls Rückschlüsse auf den Zustand des Babys zu.

Was die Erkrankung letztendlich verursacht, konnten Forscher bis heute noch nicht herausfinden. Viele Ärzte vertreten jedoch die Theorie, dass es bei der Eklampsie zu einer spastischen Gefäßverengung kommt – ausgelöst durch eine schlechte Durchblutung der Gebärmutter. In der Folge werden große Mengen Wasser im Gehirn eingelagert. Möglicherweise reagiert auch das Immunsystem der Mutter in extremer Weise auf die „fremden“ Eiweiße des Babys. Doch wie kann es dazu kommen? Die genetische Veranlagung der Betroffenen scheint dabei eine große Rolle zu spielen. Genauso ist wohl auch die Zahl der vorherigen Schwangerschaften ein wichtiger Faktor: Zwei Drittel aller Eklampsie-Patientinnen bringen ihr erstes Kind auf die Welt. Auch einige Vorerkrankungen begünstigen das Auftreten einer Eklampsie. Bei Schwangeren mit Diabetes, Nierenerkrankungen oder Krankheiten, die Veränderungen der Blutgefäße bewirken, konnte ein erhöhtes Auftreten von Eklampsie beobachtet werden. Wie wahrscheinlich das im jeweiligen Fall aber letztendlich ist, lässt sich leider nicht vorhersagen.

Die Eklampsie ist eine seltene Krankheit. Wegen der großen Gefahr, die von ihr ausgeht, sollte man sie aber dennoch nicht auf die leichte Schulter nehmen. Deswegen – und natürlich auch, um ganz allgemein die Entwicklung des Babys im Auge zu behalten – sollten werdende Mütter unbedingt alle Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen. Einfach um ganz sicher zu gehen.

 

Jenni Graf