Krankenkassenwechsel: Das ist zu beachten

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Krankenkassen sind das Fundament unseres gesetzlichen Gesundheitssystems: Sie fungieren als Leistungserstatter und sind wichtige Ansprechpartner in allen Angelegenheiten rund um Krankheit, Mutterschaft und Unfall.

 

 

 

Das Krankenkassensystem in Kürze erklärt

Ursprung der Krankenversicherung war das Gesetz betreffend der Krankenversicherung der Arbeiter vom 15. Juni 1883 unter Otto Fürst von Bismarck. So hatten gegen Lohn und Gehalt beschäftigte Personen aus Industrie, Handwerk und Handel Anspruch auf freie ärztliche Behandlung, unentgeltliche Versorgung mit Arzneimitteln und Krankengeld. Auf dieses System stützt sich immer noch auch unser heutiges System. Versicherungspflichtig sind heute alle Personen, die zu einer der folgenden Personengruppen gehören:

  • Arbeiter, Angestellt und zu ihrer Berufsausbildung Beschäftigte, wenn deren regelmäßiges Arbeitsentgelt Jahresarbeitsentgeltgrenze (Versicherungspflichtgrenze) in Höhe von 4.687,50 € bzw. 56.250,00 € nicht übersteigt
  • Arbeitslose, die vor Eintritt der Arbeitslosigkeit versichert waren
  • Landwirte, ihre mitarbeitenden Familienangehörigen und Altenteiler
  • Künstler und Publizisten
  • Personen, die in Jugendhilfe‐, Behinderten‐ und Rehabilitationseinrichtungen zur Vermittlung beruflicher Fähigkeiten tätig sind.
  • Studenten bis zum Abschluss des 14. Fachsemesters, längstens jedoch bis zum vollendeten 30. Lebensjahr
  • Rentner, wenn sie bestimmte Versicherungszeiten in der GKV als Arbeitnehmer zurückgelegt haben
  • Personen, die keinen anderweitigen Anspruch auf Absicherung im Krankheitsfall haben und zuletzt gesetzlich krankenversichert waren oder bislang noch nicht krankenversichert waren.

Mit dieser Versicherungspflicht möchte der Staat der Schutzbedürftigkeit dieser Personengruppen nachgehen, da sie sich ansonsten keine Krankenversicherung leisten könnten beziehungsweise die Krankenversicherung nicht abschließen würden. Insgesamt gibt es in Deutschland 124 Krankenkassen (Stand 2015). Sie unterscheiden sich in folgende Krankenkassenarten und sind beinahe für jedermann geöffnet und frei wählbar:

  • die Ortskrankenkasse des Beschäftigungs‐ oder Wohnorts,
  • jede Ersatzkasse, deren Zuständigkeit sich nach der Satzung auf den Beschäftigungs‐ oder Wohnort erstreckt,
  • die Betriebs‐ oder Innungskrankenkasse des Betriebs, in dem man beschäftigt ist,
  • die Betriebs‐ oder Innungskrankenkassen, wenn die jeweilige Satzung es vorsieht („geöffnete“ Kassen),
  • die Krankenkasse, bei der vor Beginn der Versicherungspflicht oder Versicherungsberechtigung zuletzt eine Mitgliedschaft bestanden hat,
  • die Krankenkasse des Ehepartners (Familienversicherung)

Viele allgemein wählbare Krankenkassen haben eine regionale Gebietsbeschränkung, nur ein Gebietsansässiger (Wohnung oder Arbeitsplatz) kann beitreten. Alle Krankenkassen haben jedoch den gleichen Leistungskatalog, der auf dem Sozialgesetzbuch basiert. Unterschiede gibt es in den Zusatzleistungen wie beispielsweise bestimmten Programmen, Zuschüssen für bestimmte Heilmethoden, Bonusprogrammen oder Rückerstattungen. Ein großer Wettbewerbsfaktor zwischen den Krankenkassen ist der Zusatzbeitrag. Seit 01.01.2015 beträgt der monatliche Krankenkassenbeitrag 14, 6% (bisher: 15,9%) und wird jeweils zur Hälfte von Arbeitnehmer und Arbeitgeber getragen. Reichen die finanziellen Mittel einer Krankenkasse nicht, so kann sie einen Zusatzbeitrag erheben. Dieser unterscheidet sich zwischen den Krankenkassen zum Teil erheblich.

Wann darf gewechselt werden und was ist zu beachten:

Für die Krankenkassen besteht ein Kontrahierungszwang, das heißt sie dürfen eine Mitgliedschaft nicht ablehnen. Pflichtversicherte und freiwillig Versicherte können mit einer Frist von zwei Monaten zum Monatswechsel ihre Kassenmitgliedschaft kündigen. Der Wechsel der Krankenkasse bedarf keiner Begründung. Kündigen müssen Sie nicht selbst, in der Regel übernimmt das die neue Krankenversicherung. Bei einer Erhebung oder Erhöhung eines Zusatzbeitrags kann schon zum Ende des Monats, in dem der Zusatzbeitrag eingeführt/erhöht wurde, gekündigt werden. Auch beim Wechsel des Arbeitgebers, dem Übergang von oder in die Arbeitslosigkeit, der Beendigung des Studiums/Wechsel des Studienorts sowie beim Übergang in die Rente besteht ein Sonderkündigungsrecht. Nach einem Wechsel sind jedoch alle Versicherten 18 Monate an die neu gewählte Kasse gebunden. Gründe beziehungsweise Aspekte, über einen Krankenkassenwechsel nachzudenken, können sein:

  • Zufriedenheit, Vertrauen, Beratung
  • Höhe des Zusatzbeitrags
  • Eigene Krankheitsgeschichte und Bedürfnisse
  • Bonusprogramme/Rückerstattungen und Zuschüsse für beispielsweise Naturheilverfahren
  • Zusatzleistungen (Hausarztmodell, spezielle fokussierte Programme zum Thema Rücken, Depression etc.)

 

Sandra Musa