Pfeiffersches Drüsenfieber: Wenn Küssen krank macht

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Pfeiffersches Drüsenfieber, infektiöse Mononukleose, Studentenfieber oder vielleicht doch lieber Kuss-Krankheit? Hinter all diesen verschiedenen Namen verbirgt sich ein und dieselbe Erkrankung: Zu den Beschwerden gehören vor allem Fieber, Entzündungen im Rachen und die Schwellung der Lymphknoten. Betroffen sind meistens Jugendliche und junge Erwachsene. Pfeiffersches Drüsenfieber ist dabei sehr viel weiter verbreitet, als man vermuten könnte.

Schuld daran ist das Epstein-Barr-Virus und seine ausgeklügelte Vorgehensweise: Erst etwa zehn Tage nach der Ansteckung zeigen Kinder die ersten Krankheitssymptome. Bei Erwachsenen kann es sogar bis zu 50 Tage dauern bis sich Pfeiffersches Drüsenfieber bemerkbar macht. Ist die Erkrankung dann überstanden ist der Betroffene ab sofort zwar immun gegen einen weiteren Ausbruch, die Ansteckungsgefahr ist deshalb aber noch lange nicht überwunden. Denn leider gehört der Erreger zu den Herpes-Viren: Wie seine lästigen Verwandten bleibt er ein Leben lang im Körper. Erkranken kann man nur einmal, doch immer wieder wachen die Viren aus ihrem „Winterschlaf“ auf, vermehren sich und nutzen den Speichel als Transportmittel zu Menschen, die noch nie Pfeiffersches Drüsenfieber hatten.

 Bei ihnen befällt der Virus die Schleimhaut im Rachen und vermehrt sich erst einmal in Ruhe. Irgendwann greift er die B-Lymphozyten an, die zum Immunsystem gehören, und speist ihnen seine DNA ein. Die Zellen vermehren sich nach der Übernahme rasant und verbreiten sich im ganzen Körper. Innere Organe wie Leber und Milz schwellen daraufhin deutlich an. Pfeiffersches Drüsenfieber ähnelt ansonsten in vielen Beschwerden einer Grippe: Kopfschmerzen, Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl machen den Betroffenen zu schaffen. Charakteristisch für Pfeiffersches Drüsenfieber ist daneben auch die besonders starke Müdigkeit, die zum Ende der Erkrankung weiter zunimmt. Sobald die Immunabwehr die Infektion aufspürt, beginnt sie damit, die befallenen Lymphozyten zu zerstören. Den Patienten kann das ganz schön mitnehmen: Die akute Krankheitsphase dauert normalerweise etwa drei Wochen – bis man sich wieder richtig fit fühlt, können aber durchaus auch mehrere Monate vergehen.

Pfeiffersches Drüsenfieber richtig behandeln

Die Diagnose kann für den Arzt manchmal ganz schön knifflig werden: Bei normalem Krankheitsverlauf ist das in der Regel gar kein Problem, doch verläuft Pfeiffersches Drüsenfieber oft auch ziemlich untypisch – die charakteristischen Entzündungen im Rachenraum können zum Beispiel ganz fehlen. Um ganz sicher zu gehen, empfiehlt sich beim Verdacht auf Pfeiffersches Drüsenfieber daher immer eine Blutuntersuchung. Behandeln lässt sich die Krankheit selbst allerdings nicht, Medikamente lindern nur die Symptome. Trotzdem ist es wichtig zu wissen, ob die Erkrankung nun tatsächlich vorliegt oder nicht – denn der Zustand von Milz und Leber muss überwacht werden. Hat es Sie erwischt, sollten Sie vor allem eines tun, um Ihre Genesung zu unterstützen: Viel trinken und das Bett hüten! Um die Ansteckung anderer Menschen und vor allem kleiner Kinder zu vermeiden, sollten Sie außerdem niemanden küssen, während Sie selbst noch krank sind.

Weil Pfeiffersches Drüsenfieber das Immunsystem stark beansprucht, kann es schnell passieren, dass sich der Erkrankte noch eine weitere Infektion einfängt. Bekommt er daraufhin die richtigen Medikamente – Achtung: bestimmte Antibiotika können eine allergische Reaktion auslösen! – ist das aber in der Regel nicht weiter schlimm. Gefährlich kann Pfeiffersches Drüsenfieber allerdings für Menschen mit einer Immunschwäche werden – zum Beispiel infolge einer Ansteckung mit HIV. Ihr Immunsystem ist dann schlichtweg überfordert. Oft treten in der Folge Wucherungen an den Lymphknoten auf, die sich sogar zu einer Tumorerkrankung ausweiten können. In seltenen Fällen kann Pfeiffersches Drüsenfieber auch chronisch werden. Bei der überwiegenden Mehrheit der Betroffenen bildet sich das Pfeiffersche Drüsenfieber aber nach ein paar Wochen folgenlos wieder zurück.

 

Jenni Graf