Tuberkulose – die heimtückische Schwindsucht

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Die Jahre, in denen die Tuberkulose blindlings um sich griff und Hunderttausende Menschen das Leben kostete, sind vorbei. Die Hygienestandards haben sich gebessert, die Ernährung wurde abwechslungsreicher, wirkungsvolle Medikamente kamen auf den Markt. Eigentlich dachten wir, die Tuberkulose hätte die Menschheit endlich hinter sich gelassen – doch die Realität sieht anders aus.

Der überwiegende Großteil der Tuberkulose-Infektionen verläuft völlig unauffällig, die Betroffenen merken meist gar nicht, dass sie erkrankt sind. Wer ein starkes Immunsystem hat, kann mit Tuberkulose also gut klarkommen. Doch Entwarnung herrscht auch dann nicht. Denn die Erreger bleiben über sehr lange Zeit im Körper. Bricht das Immunsystem irgendwann zusammen, kann es auch noch Jahre später zu einer Tuberkulose-Erkrankung kommen. Anders sieht es aus, wenn das Immunsystem sowieso schon angegriffen ist. Dann führen die Erreger direkt zu einer Entzündung des betroffenen Bereichs.

Tuberkulose – die weiße Pest

Schon seit Jahrhunderten plagt die Tuberkulose den Menschen – mal mehr und mal weniger. Den Höhepunkt erreichte dieser ewigwährende Kampf im 19. Jahrhundert. Die fortschreitende Industrialisierung und vermeintlich bessere Lebensbedingungen lockten immer mehr Menschen in die Städte. Eine hohe Bevölkerungsdichte und die oftmals katastrophale Hygiene führten zum sprunghaften Anstieg der Erkrankungen in Deutschland. Die „Schwindsucht“ breitete sich überall in Europa aus – Hundertausende starben. Erst als im folgenden Jahrhundert die Versorgung mit adäquaten Medikamenten sichergestellt wurde, besserte sich die Lage. Im Lauf der Jahrzehnte ist die Tuberkulose fast in Vergessenheit geraten. Und doch gehört die Tuberkulose – auch heute – immer noch zu den häufigsten Infektionskrankheiten auf der ganzen Welt.

Übertragen werden die Bakterien, die Tuberkulose auslösen, beim Husten, Niesen und Sprechen. Die Wahrscheinlichkeit selbst zu erkranken wird höher, je mehr Zeit man mit einem Erkrankten verbringt – und je stärker das eigene Immunsystem geschwächt ist. Sind die Erreger erst einmal da, sorgen sie für eine Entzündung in der Lunge. Die körpereigene Immunabwehr versucht daraufhin die Bakterien zu isolieren. Gelingt das, ist der Betroffene zwar immer noch infiziert, doch leidet er an keinerlei Beschwerden. Trotzdem wird er damit zur tickenden Zeitbombe: Sobald das Immunsystem schwächelt, bildet sich eine offene, hochansteckende Tuberkulose aus.

Zu Beginn äußert sie sich meist nur sehr unauffällig – wenn überhaupt. Der Betroffene bekommt ein bisschen Husten, erhöhte Temperatur, vielleicht fühlt er sich auch erschöpft und müde. An eine ernsthafte Erkrankung denkt dann aber meistens noch niemand. Auch der Arzt hat Schwierigkeiten, diese Form der Tuberkulose zu diagnostizieren. Heimlich und schleichend kann sie sich also ausbreiten. Der spätere Verlauf von Tuberkulose sieht dann ganz anders aus: Das Krankheitsbild verschärft sich deutlich. Verletzt die Erkrankung Blutgefäße, wird der Husten blutig – bis irgendwann sogar massive Lungenblutungen auftreten können. Werden Bronchien abgedrückt, sterben Teile der Lunge ab. Gelangen die Erreger in die Lymphe oder ins Blut, kann sich die Tuberkulose auch auf andere Organe ausweiten.

Tuberkulose richtig behandeln

Rechtzeitig erkannt lässt sich die Erkrankung aber meist gut behandeln. Auf Röntgenaufnahmen heben sich die betroffenen Lungenbereiche deutlich von gesundem Gewebe ab. Mit einer Kombination verschiedener Medikamente kann die Tuberkulose heute in der Regel zuverlässig geheilt werden. Zum großen Problem wird allerdings die zunehmende Antibiotikaresistenz der Erreger. Und diese widerstandsfähigen Bakterien breiten sich aus: Durch die zunehmende Globalisierung und ein völlig anderes Reiseverhalten als noch vor hundert Jahren, ist die Tuberkulose heute wieder auf dem Vormarsch, ganz heimlich, still und leise. Gerade in den Entwicklungsländern lässt die Hygiene oftmals zu wünschen übrig. Dazu kommt: In diesen Gebieten sind viele Menschen mit HIV infiziert, ihr Immunsystem ist daher sowieso schon geschwächt. Das begünstigt auch eine Infektion mit Tuberkulose.

In Deutschland ist die Tuberkulose eine meldepflichtige Krankheit. Hat sie nach Abklingen der Entzündungen die Lunge stark mitgenommen oder waren große Bereiche stark betroffen, bilden sich möglicherweise Narben, die zu andauernden Atemproblemen führen können. In manchen Fällen bleiben Erkrankungen wie die chronisch-obstruktive Bronchitis zurück. Auf Dauer belastet die Erkrankung auch das Herz. Bei einer unkomplizierten Ausprägung der Tuberkulose hat der Betroffene jedoch in der Regel gute Chancen auf eine vollständige Genesung. Schwieriger ist die Lage bei schweren Formen oder Tuberkulose-Erregern, die bereits einige Resistenzen entwickelt haben.

Damit sich Angehörige und Bekannte nicht anstecken, sollten der Betroffene und sein Umfeld beim Kontakt miteinander unbedingt einen Mundschutz tragen. Um zu prüfen, ob es trotzdem zu einer Ansteckung gekommen ist, wird der Arzt zuerst einen Tuberkulinhauttest durchführen. In der Regel liefert er aber erst sechs bis acht Wochen nach der Infektionen eindeutige Ergebnisse. Erhärtet sich dabei der Verdacht auf Tuberkulose, kann eine anschließende Röntgenuntersuchung Gewissheit verschaffen. Um ganz sicher zu gehen und den genauen Erreger festzustellen, kann der Arzt auch eine Bronchoskopie durchführen.

 

Jenni Graf