Volksleiden Ischias: Die Rolle von Kreuzbein und Hüfte

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Viele Deutsche kennen ihn: den Ischias-Schmerz. Er zieht sich vom unteren Rücken manchmal sogar bis in den Fuß und ist ein stechender, unangenehmer Begleiter. Die Ursache: Wir sitzen zu viel. Egal ob im Büro, im Zug, im Auto oder auf dem Bürostuhl, dem Sessel, dem Sofa. Als Folge davon leiden wir oft unter einem instabilen Kreuzbein oder Problemen mit dem Ischias-Nerv.

Ca. 30-40 % der vom unteren Rücken über den Po bis ins Bein ausstrahlenden Schmerzen werden durch Probleme mit dem Gelenk links und rechts des Kreuzbeins verursacht, dem Kreuzdarmbeingelenk oder auch Iliosakralgelenk.

 

Wo ist das Kreuzbein und was hat es mit Rückenschmerzen zu tun?

Das Kreuzbein bildet die Basis der Wirbelsäule. Es ist zwischen den beiden Beckenschaufeln und der Weichteil-Komponente des Bindegewebes, den sogenannten Faszien, elastisch-stabil eingefügt. Dabei spielt das Kreuzbein neben den Bandscheiben eine ganz besonders herausragende Rolle.

Verklebte Faszien – Ursache vieler Beschwerden

Die großen Faszien, wie oben genannt also die sogenannte myofasziale Weichteil-Komponente des Bindegewebes, die sich am Kreuzdarmbeingelenk oder an den Zwischenwirbelscheiben befinden, gehören zu einem den ganzen Körper zusammenhaltenden System. Sie können bei einer falschen Ernährung und übermäßigem Konsum von Nikotin oder Alkohol übersäuern. Daraus folgt eine Verklebung der Faszien, die oft durch Medikamente noch weiter verschlimmert wird. Die Faszien werden teilweise irreversibel beschädigt und können kaum jemals wieder zu einer schmerzfreien und voll belastbaren Leistungsfähigkeit zurückkehren.

Die Rolle des Hüftgelenks bei Rückenschmerzen

Oft kommen zu den Problemen mit dem Kreuzbein zusätzliche Probleme mit dem Hüftgelenk. Auch Lendenwirbel bzw. die Zwischenwirbel- und Bandscheiben bereiten oft Beschwerden. Hier ist der Rat eines spezialisierten Experten wichtig. Nach einer Operation an der Wirbelsäule oder am Hüftgelenk besteht das Schmerzleiden allerdings oft weiter und die Mobilität bleibt beeinträchtigt.

Auswirkungen der Hüfte auf das Kreuzdarmbeingelenk

Auch der Einfluss der Hüfte auf das Kreuzdarmbeingelenk ist nicht zu unterschätzen.

Bei einer sogenannten engen Hüfte (FAI, d.h. ein Femuroacetabuläres Impingement) handelt es sich um eine mechanische Enge zwischen dem Hüftkopf des Oberschenkelknochens und des Hüftgelenkpfannendachs. Normalerweise greifen diese problemlos ineinander. Beim Syndrom der engen Hüfte sorgen knöcherne Veränderungen dafür, dass dies nicht mehr gegeben ist.

Die Arthrose der Hüfte (Coxarthrose) wird durch Verschleiß des Hüftgelenks verursacht. Der schützende Knorpel zwischen den Gelenken ist bei dieser Erkrankungen soweit abgenutzt, dass die Knochen aufeinander reiben. Dies verursacht massive Schmerzen und kann zu einer steifen Hüfte führen.

Beide Erkrankungen wirken sich vor allem auf den großen Lenden-Hüftmuskel (Iliopsoas), aber auch auf den Birnenform-Hüftmuskel (Piriformis) negativ aus und schränken so auch die Funktion und Stabilität des Kreuzdarmbeingelenks ein.

Eingeklemmter Ischias Nerv – wie entsteht das?

Wenn das Kreuzbein nicht mehr ausreichend durch die Faszien gestützt werden kann, komm es zu einer länger anhaltenden schmerzhaften Instabilität des Kreuzdarmbeingelenks, also einer instabilen iliosakralen Dehnungsfuge. In vielen Fällen geht dies mit einer zusätzlichen, zunehmend schmerzhaften Verhärtung des Hüftmuskels Piriformis, tief im Po, einher.

Diese kann zum Beispiel durch eine Fehl- oder Sitzbelastung oder eine Zerrung hervorgerufen werden. Unter diesem Piriformis verlässt aber der fingerdicke Ischias-Nerv das Becken und zieht über den seitlichen Oberschenkel weiter ins Bein. Durch den hohen Druck wird der Ischias-Nerv eingeklemmt und reagiert deshalb massiv schmerzhaft.

Welche Therapieansätze gibt es? Helfen Schmerzmittel weiter?

Natürlich möchte jeder auch noch in der zweiten Hälfte seines Lebens aktiv mobil bleiben, Sport treiben, Tanzen und Reisen. Dabei sind Ischias-Schmerzen unerwünscht.

Schmerzmittel und Übungen können den Schmerz zwar lindern, zeigen aber häufig nur sehr beschränkte oder keine anhaltenden und befriedigenden Erfolge - und verschleiern das Voranschreiten degenerativer, also durch Verschleiß bedingter, Veränderungen.

1. Biologische Regenerationsmedizin

Biologische Regenerationsmedizin findet deshalb nicht nur in der ästhetischen Medizin für Haut und Haare Anwendung, sondern auch in der Orthopädie, Rheumatologie, Physikalischen und Rehabilitativen Medizin oder der Sportmedizin.

Im Laufe der Jahre hat sich auch eine Subspezialisierung im Bereich der Neurochirurgie und Orthopädie für Knochen und Bindegewebe der Wirbelsäule und der Kreuzdarmbein-Gelenke entwickelt. Denn Schmerzen können zwar durch Medikamente immer wieder unterdrückt werden, aber degenerative Prozesse lassen sich so nicht aufhalten. Deshalb bietet die biologische Regenerationsmedizin mitunter ganz neue Optionen zur Therapie.

2. Früherkennung und Vorsorge

Immer häufiger kann heute bereits schon sehr früh, und damit rechtzeitig vor dem Eintritt von irreversiblen Destruktionen, ein immunpathologisch entzündliches Rheuma der Kreuzdarmbeingelenke und der Wirbelsäule (Sakroiliitis, Spondyloarthritis, etc.) erkannt und natürlich auch entsprechend behandelt werden. Sollten Sie also derartige Symptome im Bereich der Hüften und des unteren Rückens aufweisen, sind Sie mit dem Rat eines Fachmanns immer auf der richtigen Seite.

Diagnostik und gezielte Therapiemethoden

Wie man die unterschiedlichen anatomischen, biologisch-funktionellen und rheumatischen Störungen diagnostisch auseinanderhalten und sie so gezielt therapeutisch behandeln kann, lesen Sie bald in einem eigenen Expertenartikel. Dort soll es dann um die spezialisierte Diagnostik und Regenerationsmedizin an Hüfte, Kreuzbein, Bandscheibe und Lendenwirbel samt Spinalkanal und tiefem Fasziensystem gehen.

 

Über den Experten

Dr. Peter Konrad Sigg ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Orthopädie, Rheumatologie sowie für Physikalische und Rehabilitative Medizin. Er ist Spezialist für die Bereiche Bandscheibe, Hüfte und insbesondere auch für das Iliosakralgelenk). Dr. Sigg beschäftigt sich seit Jahrzehnten intensiv mit den biologischen "Selbstheilungsmöglichkeiten" des Körpers. Daher hat er sich schon früh auch auf die biologische Regenerationsmedizin des Lenden-Becken-Hüft-Gürtels konzentriert. Heute profitieren seine Patientinnen und Patienten von einer speziellen Expertise für minimalinvasive bioregenerative Interventionsmethoden. Deshalb muss z. B. nach einem Bandscheibenvorfall nicht unbedingt immer eine Operation folgen. Dr. Sigg arbeitet zudem eng mit spezialisierten Kliniken und Fachärzten aus München, dem Allgäu und der Bodensee Region zusammen, um gemeinsam die individuell jeweils noch bestmögliche Behandlung anzustreben.